Wie du es schaffst dich endlich für die Heilung der Essstörung zu entscheiden

Die Heilung der eigenen Essstörung fängt mit einer inneren Entscheidung an.

Aber wie schafft man es überhaupt diese innere Überzeugung zu entwickeln gesund zu werden? Und muss es immer zu einem Tiefpunkt kommen, um endlich aufzuwachen? Ich persönlich musste zu oft an einen Punkt kommen, an dem ich nicht mehr konnte. Was rückblickend wirklich traurig ist, denn im Endeffekt war ich es mir nie Wert genug, wenn es mir nicht schlecht genug ging.

Es können noch so viele Leute sagen, dass du endlich anfangen musst zu essen, dass ein Leben ohne Essstörung doch viel besser ist und dass dir Psychotherapie helfen wird. Wenn dieser Wunsch gesund zu werden nicht aus dir kommt – aus deinem Inneren, dann wird all das leider nicht funktionieren.

Deswegen möchte ich dir heute erzählen, wie du bewusst diese Entscheidung treffen kannst, beziehungsweise, wie du bewusst an diesen Punkt kommen kannst, um deine innere Motivation für Heilung zu finden. Denn ich möchte nicht, dass du erst an einen Punkt kommen musst, an dem es vielleicht sogar zu spät sein könnte. Denn traurigerweise haben in der Vergangenheit zu viele Frauen ihr Leben an der Essstörung verloren, weil sie es nicht früher geschafft haben sich EHRLICH für Heilung zu entscheiden.

Und das ist der springende Punkt, wir gehen zu oft davon aus, dass unser Körper alles aushalten muss, was wir ihm zumuten. Und ja er hält so einiges aus und passt sich allen Bedingungen an. In Hungerphasen fährt er jegliche Körperfunktionen herunter, um uns am Leben zu halten und kann Jahre lang auf Energiesparmodus laufen. Aber die Frauen die, diese Krankheit nicht überlebt haben, sterben nicht einfach plötzlich. Dahinter steckt ein langer Kampf gegen den eigenen Körper, den sie am Ende verloren haben, weil der Körper irgendwann aufgegeben hat.

Ich möchte dir damit keine Angst machen, aber leider vergessen wir in all dem Selbsthass und den Regeln der Essstörung, wie diese Geschichte ausgehen kann. Und glaube mir, ich habe diese Gedanken Jahre lang verdrängt, denn die Angst irgendwann über der Toilette einfach zusammen zu brechen und nicht mehr aufzuwachen, war zu oft präsent. Gerade wenn die Essanfälle sich häuften und ich in dem Kreislauf der Bulimie gefangen war, hatte ich manchmal einen leisen Wunsch erwischt zu werden, damit mich endlich jemand aus dem Teufelskreislauf rettet. Denn ich selbst war in meinen Augen zu schwach diesen Kreislauf zu durchbrechen. Und verdammt ja, ich hatte immer den Wunsch gesund zu werden. Aber die Angst was passieren würde, wenn ich mich auf dem Weg der Heilung begebe, war zu groß. Also erzählte ich mir Tag für Tag das dasselbe. „Ab morgen mache ich es besser. Ab morgen höre ich auf“. Aber wie das so ist, mit leeren Versprechungen, kam dieses Morgen nicht. Und so vergingen Jahre. Bis ich wieder an einen Tiefpunkt kam und ich dachte, jetzt wird alles anders und trotzdem nicht anders konnte, als wieder in die Essstörung zu gehen. Und so ging das Jahr für Jahr.

Es gab einen Punkt in meinem Leben, da habe ich mich einfach damit abgefunden essgestört zu sein. Ich dachte, das wäre mein Weg. Ich dachte, dass ich mich eben damit arrangieren müsste mein Leben lang krank zu sein, mich zu verstecken und zu lügen.

Das lag unteranderem auch daran, dass die Essstörung mir eine unglaubliche Sicherheit gegeben hat. Ich hatte alles unter Kontrolle – zumindest glaubte ich das.

Ich hatte so Angst davor, was passieren würde, wenn ich mich dazu entscheide, diese Essstörung loszulassen. Die Kontrolle abzugeben.

Wenn ich jetzt wieder anfange zu essen und unglaublich dick werde, dann brauche ich so unglaublich lange, um wieder auf das Gewicht zurückzukommen, an dem ich jetzt bin. Ich wollte nicht wissen, wie es ist auf meinen Körper zu hören, ich hatte so eine Angst davor in diese ungewisse Zukunft zu gehen.

Insgeheim habe ich in dieser Zeit die Essstörung schöngeredet, mir erzählt, dass es doch eigentlich ganz gut funktioniert, so wie es ist. Klar musste ich Abstriche machen, konnte nicht essen was ich wollte, oder musste ständig Ausreden oder Möglichkeiten zu finden die nächste Toilette aufzufinden – aber ich habe mir selbst gesagt: Das ist halt der Preis, den ich zahlen muss. So schlimm ist es doch gar nicht.

Weil ich das Gefühl hatte, dass ich immer so weitermachen kann. Dass ich nicht an den Punkt komme, an dem mein Körper sagt: Ich kann nicht mehr. Jetzt ist Schluss. Es gab nur das hier und jetzt. Mich und meine Essstörung. Fressen, Erbrechen, mehrere Stunden Sport pro Tag, verbotene Lebensmittel.

Aber lange hielt das Schönreden der Essstörung nicht an, denn ich merkte jedes Jahr, dass mein Körper nicht mehr so mit machte, wie ich es gewohnt war. Nicht nur dass meine Zähne, Haare und Haut immer brüchiger wurden, nein ich wurde auch immer schwächer. Sport treiben konnte ich irgendwann auch nicht mehr, weil mir jedes Mal, sobald ich mich körperlich anstrengte, schwarz vor Augen wurde. Aber das war nicht das schlimmste für mich, erst als meine Periode ausfiel und immer unregelmäßiger wurde, machte ich mir ernsthafte Sorgen. Weil mir plötzlich bewusstwurde, dass ich dabei war mir jegliche Möglichkeiten eine eigene Familie zu gründen kaputt machte. Oder ich stellte mir vor, wie ich Kinder haben würde und ich mich im Bad einsperren würde, um meiner Bulimie nachzugehen. Ich würde vielleicht niemals wissen, wie es ist eine Familie zu haben. Ich hasste die Tatsache nicht ehrlich sein zu können mehr als ich das körperliche Einbüßen hasste. Ich dachte an eine Zukunft, in der ich ganz allein wäre, weil mich jeder verlassen hatte. Ich dachte daran, wie meine Ängste größer waren als der Wille zu leben. Und des machte mir verdammt nochmal unendliche Angst. Ich wollte so nicht weiter leben ich hatte Angst davor allein zu enden.

Diese Vorstellungen waren so unglaublich schmerzvoll. Sie taten mir körperlich weh. Sie haben mich so unendlich traurig gemacht. Doch anstatt etwas zu ändern, passte ich mich den Gegebenheiten an. Redete mir ein, niemals Kinder haben zu wollen, irgendwann weg zu ziehen und allein durch die Welt zu reisen. Doch in Wahrheit war das was ich wirklich wollte eine Familie, Geborgenheit, Liebe und Zusammenhalt. Leider konnte ich das lange nicht erkennen.

Ich saß einfach da und habe geweint. All den ganzen Schmerz der in mir drin saß, raus geweint. Meine Güte wie lange ich nicht mehr geweint hatte. Weinen war bei mir sowieso immer Mangelware. Ich hatte nicht nur die Freude, sondern auch all die anderen Gefühle in die letzte Ecke meiner Seele verbannt. So dass der einzige Grund, aus dem ich weinte, ein trauriger Film war. So hatte ich zumindest einen Grund, der mich selbst nicht betraf. Doch diesmal war es anders, es fühlte sich an, als würde ich um mich selbst weinen. All der Schwerz und die Einsamkeit, kamen hoch, es war überwältigend.

Und es kam dieser Augenblick, in dem der Leidensdruck größer wurde als die Angst vor der Wahrheit.

Ich wollte endlich ehrlich sein, ich wollte mich nicht länger verstecken aber vor allem hatte ich es satt mich ständig allein zu fühlen, denn dieses ewige Versteckspiel zwang mich quasi dazu mich zurückzuziehen, alles allein mit mir selbst auszumachen und keinen hinter die Fassade blicken zu lassen. Meine Güte ihr könnt es euch nicht vorstellen, wie satt ich es hatte mich Einsam zu fühlen. Ich konnte mich nicht mal mehr daran erinnern, wann ich mich das letzte Mal wirklich geborgen gefühlt hatte. Es war auch eine Art Schutzschild, denn wenn ich mich niemanden öffnete, konnte ich auch nicht wirklich verletzt werden. Jedoch zog ich dabei den Kürzeren und verletzte mich dabei selbst.

Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und fing an zu sprechen. Darüber wie ich mich fühle und was in mir vorgeht, über die Bulimie und all ihre Schattenseiten. Ich sprach mit jedem in meinem Umfeld darüber und es war als hätte ich das Hintertürchen geschlossen, das ich mir immer offengehalten hatte, um wieder zurück flüchten zu können. Ich wollte dieses Leben nicht mehr und es war mir Wert mein Leben komplett auf den Kopf zu stellen.

Natürlich wurde, mit dieser Entscheidung nicht alles besser, denn die Bulimie fühlte sich bedroht und musste somit erstmal lauter werden. Also wurde es erstmal schlimmer. Aber diesmal war es anders. Ich erkannte die Muster der Bulimie und fiel nicht darauf ein, nein ganz im Gegenteil. Ich nahm mich selbst in den Arm und begegnete mir mit Mitgefühl. Und ratet mal was passierte. Die Bulimie wurde sofort leiser, weil ich ihr endlich zuhörte. Ich ging auf sie ein und erkannte, was sie mir sagen wollte. Ich hörte auf gegen sie und somit gegen mich zu kämpfen.

Und warum ich das alles erzähle, ist weil mir in diesem Moment klar geworden ist, dass ich etwas ändern muss. Dass ich nicht diese schmerzerfüllte und traurige Version meines Lebens leben möchte. Dass ich glücklich und erfüllt sein möchte.

Dass ich bereit bin für mein Wohlergehen ein zustehen und alles dafür zu tun. Dass ich mich zur Priorität machen darf und dass ich es selbst Wert genug bin. Es muss mir niemand erst diese Anerkennung geben, um meinen Wert zu erkennen. Nein, dieser Wert steckt in jedem von uns. Er ist unantastbar und durch nichts und niemanden zu verändern.

Ein Kommentar

  • Andrea weser

    Hallo
    Ich finde mich so in dem Artikel wieder ich bin noch an dem Punkt an dem ich mich nicht am meine eigenen Regeln halte ich betrüge mich selber macht mich traurig ja die Angst die esstoerung ist leider noch zu groß um sie loszulassen doch ich weiß auch ich Spiel mit meinem Leben bin traurig und frustriert das ich es mir nicht wert bin gesund zu werden

    Liebe Grüße Andrea 🍀

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