Essstörung

Warum Sucht nichts mit dem Suchtmittel zu tun hat, sondern mit der Suche nach uns selbst

Wir präsentieren all die Seiten von uns, die wir für besonders vorzeigenswert und akzeptabel halten. Im Laufe der Jahre machen wir das ganz automatisch, weil uns vielleicht etwas zu oft wehgetan hat, fühlen wir uns nicht so akzeptiert, wie wir waren. Wir versuchen mit unserem idealen Verhalten den weniger attraktiven Rest unserer Persönlichkeit so gut zu verstecken -vor den anderen und letztendlich vor uns selbst. So dass wir schließlich unsere Rolle so gut verinnerlicht haben und unsere natürliche Ganzheit unserer Persönlichkeit vergessen haben.

Dieses Verhalten geht allerdings nur solange gut, wie uns niemand wirklich zu nahekommt.

Wir alle hassen unsere seelischen, geistigen und körperlichen Makel, denn sie sorgen für Schamgefühle und Wut auf uns selbst. Wir wollen nicht schwach sein. Also kämpfen wir gegen unsere Makel – und am Ende gegen uns selbst an.

„Wir lenken uns mit Äußerlichkeiten ab, in dem wir uns in Beziehungen verlieren und uns von der Anerkennung anderer Menschen abhängig machen…

Die schlechten Gefühle verschwinden allerdings nicht tatsächlich, wir verdrängen und betäuben sie nur. Wir lenken uns mit Äußerlichkeiten ab, in dem wir uns in Beziehungen verlieren und uns von der Anerkennung anderer Menschen abhängig machen. Wir rauchen, um runter zu kommen, trinken Alkohol, um uns aufzulockern, optimieren unseren Körper und fangen an unseren Selbstwert an ihm fest zu machen. Wir werden süchtig nach all diesen Dingen. Doch ganz egal welches Suchtmittel – es dient letztendlich immer dazu, ein inneres, subjektiv schlechtes Gefühl zu überlagern.

Aber anstatt uns ständig von unserem inneren Schmerz abzulenken, ist es viel wichtiger, dass wir den eigentlichen Kern unserer Abhängigkeit erforschen.

Denn jede Sucht hat eine gute Absicht. Sie ist unser Rettungsring in Zeiten, in denen wir noch nicht gelernt haben zu schwimmen.

„Erst in der Sucht schienen wir für einen kurzen Moment etwas gefunden zu haben, dass diese Leere füllt…

Das Wort „Sucht“ kommt von Suche. Denn ganz egal ob es um Partner, Essen, Trinken, Rauchen oder Drogen geht – wir suchen immer etwas, das uns unser Gefühl von Ganzheit und Vollkommenheit wiedergeben soll.

Das Gefühl, dass einst mal da war, aber irgendwann in unserem Leben unterbrochen, von anderen nicht befriedigt, verurteilt oder abgelehnt wurde. Den Schmerz, der dabei verursacht wurde, konnten wir aber nicht ertragen und so haben wir uns von all diesen Bedürfnissen abgeschnitten und haben uns damit glauben lassen, nichts mehr von alledem zu benötigen.

Erst in der Sucht schienen wir für einen kurzen Moment etwas gefunden zu haben, dass diese Leere füllt. Früher oder später werden wir aber erkennen, dass wir in ein Teufelskreis geraten sind. Wir haben nichts bekommen, stattdessen brauchen wir immer mehr. Die Ablenkung hält nur noch vorübergehend an und wir müssen uns eingestehen, dass unser Defizit sogar gewachsen ist.

„Nichts und niemand kann diese Leere in uns füllen, außer wir selbst…

Erst wenn wir uns trauen hinzuschauen und wieder zu fühlen, wovor wir uns regelmäßig betäubt und abgelenkt haben, erst dann können wir heilen.  Nur so können wir erkennen, dass nichts und niemand diese Leere in uns füllen kann, außer wir selbst.

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