Glaubenssätze | Woher sie kommen und wie du sie auflösen kannst

Ich denke wir alle haben wohl schon von Glaubenssätzen gehört. Doch was genau sind diese Glaubenssätze? Woher kommen sie? Aber vor allem, wie kann ich sie auflösen?

Glaubenssätze sind wie tiefe innere Programme, sie sind quasi unsere Programmierung.

Doch woher kommen Sie und warum haben wir sie überhaupt?

Die meisten Glaubenssätze entstehen in unserer Kindheit. Auch wenn es Ausnahmen gibt, die in unserer frühen Jugend ihren Ursprung finden. Doch ist es nun mal so, dass wenn wir auf die Welt kommen, wie ein unbeschriebenes Blatt sind. Quasi nur mit den Grundeinstellungen programmiert. Der Rest also erst der Zeit erstellt. Wir sind also als Baby nur mit den Grundbedürfnissen ausgestattet, wie beispielsweise Hunger, Durst, müde. Die anderen höheren Hirnregionen bilden sich erst noch aus.

Deswegen ist es so prägend was wir bei unseren Eltern erfahren. Da lernen wir, ob wir bedingungslos geliebt werden, bzw. was wir tun, um geliebt zu werden. Und genau darüber bildet sich unser Selbstwertgefühl aus. Deshalb sagt man auch, dass die meisten Glaubenssätze im frühen Kindesalter entstehen.

Also wenn ich jetzt zum Beispiel Eltern habe, die aus welchen Gründen auch immer gestresst sind, weil sie überfordert sind. Vielleicht arbeiten beide, es sind noch Geschwister da und es ist generell eine unruhige Familien Atmosphäre, wo viel Stress herrscht. Dann merkt und fühlt das Kind eben nicht rational: „Mama und Papa sind gestresst, es hat nichts mit mir zu tun“. Nein, denn das Kind ist auf die Liebe der Eltern angewiesen, weshalb es auch denkt: „Ich bin hier zu viel. Ich falle zur Last“. Auf diesem Weg entstehen dann auch Glaubenssätze.

Wir kommen auf die Welt uns müssen uns erst mal zurechtfinden, wie die Welt da draußen überhaupt funktioniert. Also suchen wir uns Erklärungen in unserem Inneren. Denn dadurch, dass wir als Babys auf unsere Eltern angewiesen sind, idealisieren wir sie als fehlerlose Wesen. Und im Zweifelsfall denken wir, dass wir verkehrt sind und dass bei uns der Fehler liegt. Der dann entsprechend der Situation reguliert werden muss.

Das merkt man, dann erst so richtig in der Pubertät. Denn in dieser Zeit sind die Eltern gar nicht mehr so toll, wie wir immer angenommen haben. Deshalb ist das auch die Zeit der Rebellion.

Gerade die ersten 6 Lebensjahre sind sehr wichtig. Weil gerade in dieser Zeit das meiste an Synaptischen Verknüpfungen passiert. Aber auch die Pubertät kann nochmal viel verändern, denn in dieser Zeit wird das Gehirn quasi nochmal umgebaut. Weshalb diese Zeit auch sehr prägen ist. Jedoch sind gerade die ersten 2 Lebensjahre prägend, denn da entsteht auch das sogenannte Uhrvertrauen (oder eben auch nicht).

Wenn wir uns mal in die Situation des Babys versetzten, kommen wir ja hilflos und nackt auf die Welt und wenn wir da keine richtige Bindungsperson finden, dann sterben wir. Und das spürt das Kind, das ist nämlich genetisch bedingt. Wenn wir da also auf die richtigen Bedingungen stoßen, kann das Uhrvertrauen auch entstehen. Das Gefühl: Ich bin es wert, dass man sich um mich kümmert, und ich kann mich auf die Welt da draußen verlassen, wir im Körper gespeichert.

Gerade Menschen, die über ein starkes Uhrvertrauen verfügen, haben ein besseres Selbstwertgefühl, sind nicht so leicht zu stressen und auch nicht so ängstlich. Sie haben im Allgemeinen ein Vertrauen in sich selbst und eine höhere Bereitschaft anderen Menschen zu vertrauen. Das macht sie im Rückschluss auch beziehungsfähig, was ein großer Faktor für die eigene Psychische Gesundheit ist.

Wenn diese Bedingungen jedoch nicht gegeben sind und das Uhrvertrauen nicht richtig gestärkt werden kann, kann es sein, dass diese Menschen viel empfindlicher auf Stress reagieren und sie sich nicht so gut regulieren können. Bei ihnen springt das Angstzentrum viel schneller an und das Vertrauen in sich selbst und andere Menschen ist gestört. Da sie nicht darauf vertrauen können, dass man sich um sie kümmert.

Wir können die Vergangenheit nicht wiederholen oder ungeschehen machen.

Es liegt also in unserer eigenen Verantwortung, uns um unsere negativen Glaubenssätze zu kümmern und positive zu erlangen. Denn es ist zum Glück nicht so, dass nur weil wir diese negativen Gedanken über uns und unserer Umwelt haben, diese auch so bleiben müssen.

Die gute Nachricht ist, dass wir einen Einfluss darauf haben, wie wir uns selbst und die Welt sehen KÖNNEN.

Dafür musst du dir aber als erstes Bewusst machen, welche Glaubenssätze du überhaupt hast.

Was denkst du über dich? Wie nimmst du deine Umwelt wahr?

Bist du vielleicht super streng gegenüber dem Verhalten anderer Menschen und könntest du dieses immer an allem etwas aussetzen? Dann könnte es sein, dass du das Fehlverhalten anderer nutzt, um dich selbst aufzuwerten und um dich besser zu fühlen. Oder du bist super selbstkritisch und erlaubst dir selten Fehler. Dann könnte es sein, dass du Glaubenssätze hast wie: „ich genüge nicht“ oder „ich darf keine Fehler machen“.

Jedoch besteht das Problem nicht allein darin, dass wir Glaubenssätze haben. Nein, diese Probleme entstehen erst wenn wir in unserem Alltag alles dafür tun, um diese Glaubenssätze nicht zu spüren. Durch diese Vermeidungsstrategie entstehen Verhaltensweisen wie: man versucht Konflikte zu vermeiden, ist super angepasst, oder ständig darin bestrebt alles richtig zu machen. Oder eben das andere Extrem, also man geht in die Rebellion, wehrt sich ständig und guckt immer das einem ja niemand die Butter vom Brot nimmt.

Das heißt für dich erstmal zu erkennen. Dazu hilft es ins Spüren zu kommen und um ins Spüren zu kommen, helfen Achtsamkeitsübungen. Wie spazieren gehen, richtig atmen, Meditation oder sanftes Yoga. Wenn du die Verbindung zu deiner Gefühlswelt erstmal aufgebaut hast, kannst du mal reflektieren in welchen Alltagssituationen du ein negatives Gefühl wahrgenommen hast.

Im nächsten Schritt kannst du diese Situation näher betrachten.

Was ist passiert?

  • Welches Gefühl stand dahinter?
  • Was hast du in dem Moment gedacht?
  • Denn hinter jedem Gefühl steht erstmal ein Gedanke. Also Versuche diesem Gedanken wahrzunehmen.
  • Hast du diesen Gedanken vielleicht öfter?
  • Kennst du diesen Gefühlt vielleicht bereits aus anderen Situationen?

Also wenn du diesen Gedanken erst mal herausgefunden hast, kannst du einen Schritt weiter gehen.

An dieser Stelle gebe ich dir mal ein Beispiel:

Dein Partner hat etwas gesagt was dich verletzt hat. Deine Reaktion könnte in diesem Moment dann Rückzug sein. Denn in deinem Kopf ploppt in diesem Moment wieder der Gedanke auf: „sieht du ich habe doch gesagt, ich kann mich auf niemanden verlassen und ich muss eh alles allein schaffen“.

Wenn du diesem Gedanken wie bisher nachgehst und die übliche Schutzstratege -Rückzug- wählst. Bestätigst du dir selbst damit deinen eigenen negativen Glaubenssatz.

Was du dabei jedoch nicht bedankst, ist dass du deinem Partner keine Möglichkeit gibst sich zu erklären.  Er steht somit auf verlorenem Posten. Und meistens ist es nämlich so, dass der andere nichts aus Böswilligkeit tut. 

Was du aber dadurch tust ist, dass du immer wieder denselben alten Film in deinem Kopf abspielst.

Du hast diese Gedanken aber nie hinterfragt und das bereitet dir heute Probleme.

Du kannst dir aber vor Augen halten, dass du sehr wohl einen Einfluss auf deine zwischenmenschlichen Beziehungen und deine Wahrnehmung hast und dass du heute Erwachsen bist.

Was wir bei all unseren Schutzstrategien beachten müssen ist, dass sie dich vielleicht vor dem negativen Gefühl schützen, dass du aus Kindheitstagen kennst. Du aber somit auch echte Intimität und Verbundenheit vermiedest. Aber vor allem hinterträgst du gar nicht ob dieses Gefühl vielleicht doch irrational ist und heute gar nicht mehr zutrifft. Du hälst dich also davon ab, wirklich glücklich zu sein.

Im nächsten Schritt geht es darum, sie nachhaltig umzuwandeln, in positive Glaubenssätze.

Was ich ganz gerne dabei mache ist, die negativen Glaubenssätze aufzuschreiben und sie rational zu betrachten. Frage dich, ob es national begründetet Anhaltspunkte gibt, die dir diese Gedanken bestätigen. Und dann kannst du quasi das Gegenstück dazu finden, also einen positiven Satz.

Wichtig dabei ist, ins Spüren zu kommen. Fühle dich in jeden einzelnen Satz sein und nehme wahr, wie sich der positive Glaubenssatz in dir anfühlt.

Nur so kann eine Umprogrammierung stattfinden. Denn dann kannst du ins aktive Handeln kommen und deine Schutzstrategie nach und nach in, für dich gesündere, Verhaltensweisen umwandeln.

Es ist möglich deinen alten Film zu überspielen und deinem heutigen Ich anpassen.

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