Essstörung

Ein Brief an meine erste Liebe – die Bulimie

Eigentlich bin ich dir für so vieles dankbar. Wenn ich mir vorstelle wie mein Leben heute wäre, wärst du nie in mein Leben getreten kann ich nicht sagen, dass ich glücklicher wäre. Ich denke, dass ich gerade durch dich, erkannt habe worum es im Leben wirklich geht. Es war nicht gerade die gesündeste Beziehung, die wir hatten. Du hast mich ziemlich vereinnahmt und ich war dir immer treuerlegen.

„Ich hasste dich dafür und gleichzeitig habe ich dich immer mehr gebraucht…

Ich habe dich über Alles und Jeden gestellt lange dachte ich, dass ich ohne dich nicht leben könnte. Auch wenn ich am Anfang unserer Beziehung glaubte, ich würde dich nicht brauchen und könnte dich jederzeit verlassen, hast du mich mit der Zeit vom Gegenteil überzeugt. Ich hasste dich dafür und gleichzeitig habe ich dich immer mehr gebraucht. Irgendwann habe ich dich einfach akzeptiert, ich habe mich dir einfach hingegeben und darauf vertraut, dass du irgendwann gehen wirst, ohne mir dabei weh zu tun. Lange habe ich darauf gewartet, aber umso mehr Zeit verging umso mehr hatte ich das Gefühl, dass ich dich nicht loslassen möchte.

„Ich war süchtig nach dir, ich dachte ich bin niemand ohne dich…

Ich dachte immer du müsstest mich verlassen, dabei war ich es die dich verlasse musste. Und genau das konnte ich einfach nicht. Ich war süchtig nach dir, ich dachte ich bin niemand ohne dich. Du hast mich durch meine ganze Jugend begleitet und nun sollte ich dich einfach gehen lassen? Niemals, und das hast du mir auch zu spüren gegeben. Auch wenn ich viele Versuche startete, um dich loszuwerden keinen Tag hielt ich ohne dich aus. Du nahmst immer mehr Platz in meinem Leben ein. Der Hass in mir wurde immer größer, jeden Tag stellte ich mir die Frage „warum habe ich dich überhaupt in mein Leben gelassen?“. Anfangs hast du mich vielleicht noch Glücklich gemacht, doch umso mehr Zeit verging umso unglücklicher wurde ich mit dir. Irgendwann hast du mir nicht nur emotional weh getan, sondern auch Körperlich. Mein Leiden war dir egal, du hast immer und immer weitergemacht, selbst wenn ich am Boden lag hast du weiter auf mich eingetreten. Ich fing an zu beten und wurde immer verzweifelter bei den Versuchen dich loszuwerden.

„Du warst immer da, aber ich habe dich nie richtig wahrgenommen…

Bis ich verstand, dass ich dir nie zugehört habe. Jahre lang haben wir nur nebeneinander her gelebt. Du warst immer da, aber ich habe dich nie richtig wahrgenommen. Nie habe ich dir die Chance gegeben mir zu sagen was du von mir willst. Du wolltest mir nie böses, ich habe dich dazu gebracht mich so weit zubringen, bis ich dich einfach nicht mehr ignorieren konnte. Es war nicht einfach zu verstehen was du mir sagen wolltest. Aber ich lernte dich immer besser kennen und fing an mir Zeit für dich zunehmen um mich wirklich mit dir auseinander zusetzten. Du hast mich vieles gelehrt und mir gezeigt was Selbstliebe bedeutet, auch wenn du immer sehr streng mit mir warst und mir jeden Fehltritt übelgenommen hast. Es war wohl der einzige wirksame Weg um mich wahrhaftig kennen und lieben zu lernen.

„Der Weg zu mir selbst, war der einzige weck von dir…

Der Weg zu mir selbst, war der einzige weck von dir. Ich habe aufgehört gegen dich anzukämpfen und dir zugehört. Umso besser ich dich verstanden habe, umso seltener warst du da. Bis du irgendwann aufgehört hast, mich zu besuchen. Ob ich dich irgendwann wieder vermisst habe? Nein, ich denke oft an dich und an unsere gemeinsame Zeit. Aber das Geschenk, das du mir gemacht hast als du gingst ist 1000-mal schöner als dass ich unsere gemeinsame Zeit missen würde.

Heute weiß ich, immer wenn du anrufst willst du mir was sagen. Aber ich gehe nicht mehr ran. Ich kann nun selbst spüren, was ich brauche. Dank dir. Bulimie.

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