Du liebst dich nicht wenn du kotzt.

Ja das hatte gesessen als ich diesen Satz das erste Mal gehört habe.

Ich war der Überzeugung, dass ich eigentlich super selbstbewusst bin. Immerhin betrachtete ich mich gerne im Spiegel und zog gerne Körperbetonte Klamotten an. Ich war laut und aufgeschlossen, lernte gerne neue Menschen kennen, vor allem aber liebte ich es zu flirten. Die Bulimie war dabei nur ein stiller Begleiter.

Ich hatte nicht die Art von Essstörung, wegen der ich mich schlecht fühlte. Sie gab mir immer das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben. Dabei sah ich nicht, dass ich mein ganzes Selbstbewusstsein an meinem Körper festmachte.

Für mich gab es nur die Hülle, mein Körper, mein Aussehen. Damit stand und fiel alles. Für mich gab es keinen Tag, an dem ich mich nicht wohl fühlen durfte. Ich hatte absolut keine Frustrationstoleranz.

Immerhin versuchte ich durch diese Kontrolle (Körper) all die alten Wunden zu kaschieren.

Mein Mangel an Kommunikationsfähigkeit mich und meine Bedürfnisse mitzuteilen, all die unterdrückten Gefühle und all die Glaubenssätze die mich täglich in die Einsamkeit trieben. Ja all das war für mich Jahrelang ganz normaler Alltag. Ich war davon überzeugt, alles allein schaffen zu müssen. Meine Angst mich irgendjemanden zu öffnen war so bedrohlich als hinge mein Leben daran. Also schweig ich. Ich erzähle niemanden von meinen Gedanken, meinen Sorgen, meinen Ängsten und meinen Gefühlen. Ich schwieg, wenn ich mich ungerecht behandelt fühlte, ich schwieg wenn ich verletzt wurde und ich schwieg wenn ich mich eigentlich mitteilen wollte. All diese Dinge hingen mir wie ein Klos im Hals und das einzige das ich tat, war schweigen.

Bis mir mal jemand sagte: „du liebst dich nicht wenn du kotzt“. Ich verstand diesen Satz so lange nicht. Immerhin war das fressen und kotzen wie ein Hobby von mir geworden, bei dem ich mich sicher fühle. Ich wollte nicht wahrhaben, dass ich die Bulimie brauchte weil ich schwieg, weil ich ständig meine eigenen Grenzen missachtete, weil ich mich selbst nicht spüren wollte.

Erst als ich anfing zu reden, verstand ich wofür die Bulimie stand.

Erst als ich anfing all diese Dinge zu verändern, anfing mich zu fragen was ICH eigentlich will, brauche und fühle. Wer ich eigentlich bin und was meine Werte sind. Erst als ich anfing zu reden, verstand ich wofür die Bulimie stand. Sie war das Ventil, dass ich brauchte um zu überleben, auch wenn sie mir fast das Leben kostete. Heute verstehe ich, dass Selbstliebe keine Bedingungen stellt.

Es gibt keine Selbstliebe, wenn du dir selbst sagst: „Wenn ich XY erreicht habe, oder ich XY wiege, oder so und so aussehe, dann bin ich glücklich.“ Nein, das ist dein Ego und hat nichts mit Liebe oder Akzeptanz zutun. Du musst nicht erst etwas erreichen oder perfekt aussehen, um dich selbst gut finden zu dürfen.

Du bist vom Geburt an gut so wie du bist. Du bist wertvoll und liebenswert ohne etwas erfüllen zu müssen. Denn das schönste an dir ist die Liebe die du in die trägst. Wenn du also dein Selbstvertrauen an deinem Körper, Instagram, deiner Karriere oder einer Beziehung festmachst, wirst du nie ein stabiles Fundament haben, diese Bereiche können heute da sein und morgen nicht mehr.

Doch was bleibt bist du selbst und alles was du brauchst steckt bereits in dir!

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