Essstörung

Die Essstörung hat mich nicht mehr glücklich gemacht

 

All die Jahre konnte ich ein scheinbar perfektes Leben führen, ohne dass nur einer ahnen konnte, was sich in mir drin abspielte. Ich funktionierte, war scheinbar glücklich, immer gut gelaunt, für jeden Scheiß zu haben. Ich beendete die Schule und die Ausbildung. Fing einen gesellschaftlich gut angesehenen Job an und erbrachte immer gute Leistungen, fuhr regelmäßig mit Freunden in Urlaub, zog mit meinem Freund zusammen usw. Bis ich irgendwann merkte ich kann nicht mehr, ich habe mir zwar mein Leben aufgebaut, aber in mir drin fiel immer mehr alles in sich zusammen.

“ Ich war so unglücklich wie noch nie, obwohl ich doch scheinbar da war, wo ich hin wollte…

All die Jahre diente mir meine Essstörung als Puffer zwischen meiner Seele und meinem physischen Dasein. Ich war immer im Außen, nie schlecht gelaunt, nie traurig, nie ich selbst. Immer so wie ich dachte, dass mich die anderen haben wollen. Immer bei anderen aber nie bei mir. Selbstfürsorge: Fehlanzeige. Doch eines spürte ich ganz deutlich, und zwar dass meine Essstörung nicht mehr ihren Zweck erfüllte. Ich fing an zu fühlen, aber nicht im positiven Sinne. Ich war so unglücklich wie noch nie, obwohl ich doch scheinbar da war, wo ich hinwollte. Es war ein ständiges Auf und Ab aus Traurigkeit, Wut und Leere ständig auf der Suche nach etwas, das die Leere in mir füllen sollte, die all die Jahre immer größer wurde bis sie nicht mehr zu übersehen war. Dazu kam die depressive Grundstimmung, die immer mehr Platz in mir einnahm, doch letztendlich war es sie, die mich immer mehr über meine Beziehung zu mir Selbst nachdenken ließ.

„Ich wusste ich muss sie loslassen, um frei zu sein…

Ich fühlte mich mal wieder so unendlich allein keiner kannte mich wirklich, das war wohl der Grund, der mich ganz tief in mir glauben ließ, dass mich sowieso niemand lieben kann, denn sie wissen nicht einmal wer ich wirklich bin. Sie lieben nur das, was ich zu scheinen mag das was ich von mir preisgeben will. Um ehrlich zu sein, ich wusste selbst nicht wer ich bin. Und plötzlich stand ich da. Mit der Essstörung die nicht mehr ihren Zweck erfüllte an der einen Hand und mit der Depression an der anderen. Ich wusste ich muss sie loslassen, um frei zu sein. Aber wie zur Hölle sollte ich das anstellen und dann noch allein?! Wie sollte ich da also allein rausfinden.

„Ich begann mich selbst kennenzulernen, mich zu akzeptieren und immer mehr lieben zu lernen…

Mir war klar der erste Schritt zur Heilung kann nur erfolgen, wenn ich mich öffne, wenn ich mir Hilfe hole und das tat ich dann. Ich schrieb einer wundervollen Frau, die selbst betroffen war und nun anderen Frauen auf ihrem Weg hilft und so fing die Reise zu mir selbst an. Wir unterhielten uns regelmäßig, sie war der erste Mensch, bei dem ich wirklich sein konnte, wer ich bin. Ich sprach das erste mal vollkommen ungeschönt meine Wahrheit. Sie war letztendlich auch mein Antrieb, der mir Mut gab, mich meinem Umfeld anzuvertrauen und endlich meine Wahrheit zu sprechen. Ich begann mich selbst kennen zulernen, mich zu akzeptieren und immer mehr lieben zu lernen.

Nur wer sich wirklich auf die Sprache der Seele einlässt, erkennt dass eine echte innere Heilung die ersehnte Wende im äußeren Leben herbeiführen kann. Diese Reise ist lange nicht vorbei aber dieser Blog ist ein Teil dessen.

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